GEBÄUDEMESSTECHNIK BEYERMANN
Energie Fluktuationen / Energiefluktuationen im Fertighaus

Energiefluktuationen im Fertighaus

Bei jedem Gebäude kann es Stellen geben, an denen Wärme nach draußen entweichen kann. Das gilt bei einem neuen Fertighaus genauso wie bei einem Altbau. Findige Ingenieure haben verschiedene Techniken entwickelt, mit deren Hilfe man solche Schwachstellen an einem Haus finden kann. Längere Zeit verwendete man dazu Wärmebildkameras, die aber nur dann wirklich gute Ergebnisse liefern können, wenn die Temperaturdifferenz zwischen den Innenräumen und der Umwelt groß genug ist. Eine solche Überprüfung macht als nur an kalten Tagen wirklich Sinn. Außerdem kann man damit nur die Dichtigkeit solcher Gebäude prüfen, bei denen bereits eine Heizungsanlage eingebaut worden ist.
Einen deutlich größeren Spielraum bei der Ermittlung von Leckagen bietet der Blower Door Test. Die einzige Voraussetzung hierfür ist, dass in einem bereits komplett überdachten Gebäude schon alle Türen und Fenster eingesetzt worden sind. Das ist bei einem Fertighaus zum Zeitpunkt der Übergabe immer der Fall. Der Blower Door Test für das Fertighaus arbeitet mit einer Druckdifferenz. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten. Man kann entweder im Hausinneren einen Unterdruck oder einen Überdruck aufbauen.

Meist wird mit einem Unterdruck gearbeitet. Der wird dadurch erzeugt, dass in einem Tür- oder Fensterrahmen ein flexibler Rahmen mit Gummidichtung aufgesetzt, indem sich ein Ventilator befindet. Er ist mit einem Messgerät gekoppelt und erzeugt eine konstante Druckdifferenz von fünfzig Bar. Einen solchen Druckunterschied findet man auch bei einem Wetterwechsel oder wenn Wind auf das Gebäude drückt. Ist der Unterdruck aufgebaut, wird das gesamte Gebäude mit einer Infrarotkamera gescannt. Durch die in der Anzeige entstehenden Farbunterschiede kann man feststellen, wo bei einem Fertighaus bei der Dichtigkeit "die Säge klemmt". Solche Stellen müssen unbedingt nachgearbeitet werden, wenn man bei den künftigen Heizkosten nicht kräftig in die Tasche langen möchte.

Das ist auch ein Grund, warum der Blower Door Test so früh wie möglich durchgeführt werden sollte. Ist der Innenausbau noch nicht so weit fortgeschritten, fällt für die Nachbesserungen immer ein geringerer Aufwand an. Schwachstellen, die bei einem Blower Door Test sehr häufig gefunden werden, sind die Laibungen von großen Dachflächenfenstern. Auch die Haustüren sind häufig die Übeltäter, bei denen es größere Fluktuationen geben kann. Solche Energiefluktuationen werden oftmals nur dann gefunden, wenn beim Fertighaus der Blower Door Test mit zwei gegenläufigen Phasen durchgeführt wird. Phase 1 arbeitet mit dem bereits beschriebenen Unterdruck.

In der zweiten Phase wird ein Überdruck erzeugt. Hier sind es die Druckabfälle, die darauf hindeuten, dass es noch undichte Stellen gibt. Können sie mit der Infrarotkamera nicht gefunden werden, wird häufig zusätzlich mit Rauch gearbeitet. Hier kann das geübte Auge der Baugutachter an der Auenseite des Gebäudes erkennen, wo Leckagen bestehen, die von den verschiedenen Gewerken nachgearbeitet werden müssen.

Die Kosten, die für den Blower Door Test in einem Fertighaus entstehen, sind im Verhältnis zu den dadurch möglichen Einsparungen bei den Heizkosten auf jeden Fall eine sinnvolle Investition. Außerdem ist der Blower Door Test für ein Fertighaus einer der möglichen Wege, um die notwendigen Nachweise für den Erhalt des Energiepasses für Neubauten bekommen zu können. Allerdings müssen dafür auch noch andere Voraussetzungen hinsichtlich der Nutzung erneuerbarer Energien erfüllt werden.